Kirchentag Hamburg 2013

Evangelische Jugend auf dem Kirchentag 2013

Vom 1. bis 5. Mai war die EJDR mit einer Gruppe von 25 Jugendlichen auf dem Kirchentag in Hamburg unterwegs. Hier findet Ihr Berichte und einige Impressionen der Fahrt.

Leben, Lernen, Lachen
 – Ein Rückblick –

Was ist das eigentlich der Kirchentag? Eine umfassende Antwort darauf ist nicht so leicht zu geben. Richtig verstehen und begreifen können das wahrscheinlich nur diejenigen, die einmal dabei waren. Die 27 Jugendlichen aus dem Dekanat, die an der Fahrt der Evangelischen Jugend nach Hamburg teilgenommen haben, wissen inzwischen sehr genau, was es mit dem Kirchentag auf sich hat. Ein paar der Teilnehmenden waren zwar schon einmal dabei, aber für den Großteil der Gruppe war es eine abenteuerliche Reise ins Unbekannte. Einige Antworten, die wir gemeinsam gefunden haben und damit verbundenen Eindrücke und Erfahrungen sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Kirchentag ist „Lebens-Erfahrung“. An 5 Tagen (er-)lebten die Teilnehmenden soviel, wie selten in einer solch kurzen Zeitspanne. In den Höhen und Tiefen eines Kirchentags offenbarte sich die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrungen: Gemeinschaft – Eine tolle Gruppe, die zusammenhielt und in der alle aufeinander achteten; Freude – Singen im Zug, in Konzerten, in der U-Bahn-Station; Hunger – „Wo ist der nächste Essensstand?“; Erschöpfung – Lange Wege und kurze Nächte; Begeisterung – Wir sind viele und wir sind evangelisch!; Party – Mit 65.000 anderen bei den Wise Guys; Frust – „Halle überfüllt!“; Verzweiflung – „Ich verpasse ja alles!“; Wut – „Das ist sch**** organisiert hier!“; Ruhe – Im Gras liegen und Chillen; und noch soviel mehr.

Kirchentag ist Lernen. Natürlich ist der Kirchentag auch eine Bildungsveranstaltung mit Vorträgen, Workshops, Ausstellungen usw. Von Gebärdensprache über Biblio-Chat und Gemeinwohl-Ökonomie bis hin zum nachhaltigen Leben gab es viel zu sehen, zu hören und zu verstehen und hier und da auch zum ausprobieren und mitmachen. Viele Lernerfahrungen ergaben sich aber auch abseits der Veranstaltungen. Mit 12 anderen Menschen in einem Raum übernachten, auf dem Boden. Da bekommt das eigene Bett zuhause einen ganz neuen Stellenwert. Angesichts von Schulklos und Gemeinschaftsduschen gilt das ebenso für das heimische Badezimmer. Bescheidenheit und Toleranz wuchsen merklich bei den Teilnehmenden. Dankbar wurden auch kleine Dinge wieder geschätzt: Ein Schläfchen auf der Wiese, eine warme Mahlzeit, die weichen Stühle und sauberen Toiletten im Kongresszentrum, der freundlicher Hinweis eines Pfadfinders, wo es lang geht oder eine aufmunternde Umarmung. Doch auch die schwierigen Seiten des Miteinanders wurden erfahrbar: Entscheidungen treffen wird in der großen Gruppe zur Nervenprobe. Irgendjemand trödelt immer. Man kann es nicht allen recht machen. Mit 20 Leuten Essen gehen ist anspruchsvoll. Gott sei dank überwogen aber die positiven Aspekte und die Gruppe entwickelte sich zur starken Gemeinschaft, die allen Widrigkeiten trotzte.

Kirchentag ist zum Lachen. Bei allen ernsten Themen, anspruchsvollen Gesprächen und spannenden Begegnungen sind die Tage erfüllt von großer Freude und Heiterkeit. Ein Pfarrer ohne Unterarme berichtet humorvoll von den Widrigkeiten seines Alltags und lässt uns schmunzelnd unsere eigenen Beschränkungen erkennen. Eckart von Hirschhausen erzählt von der Speisung der 5000. Mit Spaß sind wir bei der Sache: beim Schlangestehen, in der U-Bahn, am Strand, im Gute-Nacht-Café, im Theater usw. Nur morgens wird eher weniger gelacht, dafür umso mehr des Nachts, wenn wir viel zu lange noch wach bleiben.

Aber auch der schönste Kirchentag geht zu Ende. Und zunächst überwiegt die Trauer, selbst wenn das eigene Bett und das heimische Badezimmer rufen. Aber dann sind es doch wunderbare Erinnerungen, spannende Erfahrungen und eine besondere Verbundenheit untereinander, die bleiben und die einen lange tragen und erfüllen – vielleicht bis zum nächsten Kirchentag.

Frank Daxer

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Soviel du brauchst (und noch viel mehr)
Mein erster Kirchentag in Hamburg

„Soviel du brauchst“ – schon als ich das Programm für den Kirchentag 2013 bekam, handelte ich nicht nach der Losung. Ich schrieb mir viele Veranstaltungen auf, die gleichzeitig stattfanden, nur weil ich mich nicht entscheiden konnte. Mein Motto war „Soviel du brauchst und noch viel mehr“. Zwischen den jeweiligen Vorträgen lagen meist nur zehn Minuten. In der Realität war das kaum zu schaffen. Das merkte ich jedoch erst während der fünf Tage in Hamburg.

Am Mittwoch machte sich unsere Gruppe schon früh auf den Weg in den Norden. Während der Zugfahrt sangen wir und diskutierten über die jeweiligen Programmpunkte. Nach der sechsstündigen Zugfahrt stand zumindest das Programm für den nächsten Tag. Jedoch keinesfalls so, wie ich es am Anfang geplant hatte. Doch ich war zufrieden damit und freute mich auf unsere Ankunft.

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Ganz Hamburg in blau-weiß (Foto: Ina März)

Der Kirchentag in Hamburg. Kiez und Kirche – ein Widerspruch oder doch ähnlicher als wir uns vorstellen konnten? Die Hansestadt war ganz in blau-weiß geschmückt. Überall zierten Banner oder Fahnen mit der Losung des diesjährigen Kirchentages die Häuser und Schiffe. Viele verschiedene Leute liefen herum. So verschieden, dass man sich fragte, was manche auf dem Kirchentag zu suchen hatten. Leider verpassten wir am Ankunftstag die Einführungsgottesdienste. Doch kaum in der Stadt angekommen, machten wir uns auf den Weg zum Abend der Begegnung. Dort konnte man an manchen Ständen Fäden bekommen, die man am Ende zu einem Tampen band. Später am Abend kamen alle Besucher am Strandkai zusammen, um den Abendgottesdienst mit farbigem Wasserspiel zu genießen.

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Abendschluss am Strandkai (Foto: Ina März)

Die nächsten Morgende verbrachten manche mit Bibelarbeiten von zum Beispiel Dr. Eckart von Hirschhausen (Kabarettist) oder der Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Andere machten es sich am Strand gemütlich und gingen erst nach den Bibelarbeiten zu Vorträgen. Besonders gut fand ich am Donnerstag den Vortrag „Eine starke Gesellschaft“ mit Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauk, Samuel Koch, der Inklusionsdienstleisterin Monika Labruier aus Köln und dem Paralympics-Sieger und Pfarrer Rainer Schmidt. Mit viel Humor, aber auch Ernsthaftigkeit wurde über Themen wie die Inklusion, Behinderung und die Abtreibung gesprochen. Manchen, unter anderem mir selber, gefiel dieser Vortrag so gut, dass wir am nächsten Tag die Bibelarbeit von Rainer Schmidt besuchten. Der Pfarrer aus Bonn war aus Leidenschaft Kabarettist und berichtete der vollen Kirche von seinem Leben als Pfarrer ohne Arme und einem verkürzten Bein. Ein Satz blieb mir dabei ganz besonders im Gedächtnis. So beschwerte Rainer Schmidt sich zu Recht, dass man immer vergaß zu erwähnen, dass er nicht nur keine Arme hatte, sondern auch sehr schöne Augen.

Da das Wetter besonders gut mitspielte, konnte man sich bei Musik in einen Park legen und die Sonne genießen. Dies machten wir die letzten Tage auch fast immer zwischen den Veranstaltungen. An den Abenden gingen wir dann auf Konzerte, ins Theater oder an den Strand.

Autorin Naemi Go (4.v.li.) mit einem Teil der Rödermärker Kirchentagsfahrer (Foto: Stefan Santner)

Autorin Naemi Go (4.v.li.) mit einem Teil der Kirchentagsfahrer (Foto: Stefan Santner)

Es gab viele schöne Momente in Hamburg, doch nur einer war so wunderschön, dass ich davon berichten muss. Wir warteten nach dem Konzert der Wise Guys lange an einer verstopften U-Bahn Station. Uns war schrecklich langweilig, wir waren müde und trotzdem fingen wir irgendwann an zu singen. Erst nur leise, dann immer lauter, kräftiger und plötzlich merkten wir, dass nicht nur wir sangen. Alle Menschen in der U-Bahn Station stimmten in das Lied „Möge die Straße“ ein. Menschen, bei denen ich mich am Anfang gefragt hatte, was sie auf einem Kirchentag machten, sangen mit. Dies war der eine Moment, der für mich den diesjährigen Kirchentag ausmachte. Denn an diesem Abend spürte man die Gemeinschaft der Kirche und die Freude der Menschen daran, gemeinsam zu feiern.

Naemi Go

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Selbstgemachtes Kirchentagsbanner von Stella B.

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